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„Für mich sind die Themen der Grünen Woche ein Weg-
weiser für die aktuelle Landwirtschaftspolitik“, befand Räpple und gab deshalb einen kurzen Überblick über
das Treffen der mehr als 50 Agrarminister. Weltweite Megatrends seien die Nahrungsmittelversorgung und die Sicherung der Lebensmittelverteilung einer wachsenden Weltbevölkerung. Die aktuelle Weltbevölkerung von
6,7 Milliarden Menschen werde voraussichtlich bis zum Jahr 2050 auf 9,2 Milliarden anwachsen. Klimaerwärmung sei unbestreitbar und Extremwetter würden zunehmen. Die Niederschlagsverteilung und Trinkwasserversorgung seien deshalb Zukunftsprobleme, die es zu lösen gelte. Der steigende Energiebedarf gehe einher mit knapper werdenden fossilen Brennstoffen wie Erdöl und Erdgas. Regenerative Energien, so Räpple, seien deshalb ein wichtiges Zukunftsthema auch für die Landwirtschaft. Energieknappheit und Verteuerung führe zu einem Preisanstieg bei Getreide. Energie und Lebensmittel treten in eine gegenseitige Konkurrenz. Dies seien gewaltige Herausforderungen. Doch der Präsident sieht auch Chancen: „In unserem gemäßigten Klimabereich tragen wir Verantwortung für die Sicherung der Ernäh-
rung der Menschen“.
Die künftige Agrarförderung für die neue Finanzperiode bis 2020 und die dafür anstehenden Entscheidungen würden in der Verpflichtung der Lissabon-Strategie und auf der Grundlage der neuen EU-Verfassung getroffen. Den Abgeordneten des EU-Parlaments sei erstmals ein Mitspracherecht über die Agrarförderung eingeräumt. Bisher lag die Kompetenz bei der EU-Kommission und dem Agrarministerrat. „Das bedeutet, dass wir für die Landwirtschaft wichtige Lobbyarbeit bei den EU-Abge-
ordneten leisten müssen“, betonte Räpple. Die Höhe der für landwirtschaftliche Betriebe unverzichtbaren Betriebs-
prämie (Erste Säule) sei in den 27 Mitgliedstaaten sehr unterschiedlich. Sie reiche von 31 Euro pro Hektar in Lettland bis 400 Euro pro Hektar in Belgien. Die entkop-
pelte Hektarprämie wecke Begehrlichkeiten. Würde diese Prämie EU-weit angeglichen, bedeute dies für deutsche Landwirte eine Minderung der Direktzahlung um 100 Euro pro Hektar. Der BLHV, so Räpple, kämpfe für eine starke Erste Säule der EU-Landwirtschaftspolitik auch nach 2013. Vertreter des Naturschutzes würden jedoch lieber die Zweite Säule, aus der etwa MEKA oder auch der Vertragsnaturschutz finanziert werden, ausweiten und die Zuschüsse an gesellschaftlich geforderte Leistungen wie die Offenhaltung der Landschaft koppeln.
Bislang habe die Politik viel geregelt und durch Markt-
ordnungen Preisschwankungen abgefedert. „Doch die EU hat sich davon verabschiedet“, so Räpple. Prämien für Flächenstilllegung wurden abgeschafft; ebenso wie die Intervention von Obst und Gemüse. Die Destillation von Wein sei deutlich eingeschränkt und die Milchquoten-
regelung falle im Jahr 2015. Ein Jahr später gebe es kein Pflanzreglement für Reben. Folge sei ein Aus für den Steillagenweinbau. Die Forderungen von Präsident Räpple sind eindeutig formuliert: Er will weiter die Betriebsprämie. Eine steuerfreie Risikorücklage in wirt-
schaftlich guten Zeiten für die Höfe müsse möglich sein und ebenso ein Mindestmaß an Marktsteuerung für Extremsituationen, um einen Preisverfall zu stoppen (wie bei der Milch). Weiter müsse tatkräftig an einer besseren Vermarktung gearbeitet werden. Marktpartner müssten sich zusammenschließen und organisieren, um den Welt-
markt mit den erforderlichen Mengen an landwirtschaft-
lichen Produkten bedienen zu können. „Wir müssen im Export besser werden“, so Räpple. Im Jahr 2008, so Räpple, wurden Agrargüter im Wert von 50 Milliarden Euro exportiert. Importiert wurden jedoch Waren im Wert von 58 Milliarden Euro. Nun sei es an der Zeit, die Gegen-
offensive im Export zu starten. Das könne der einzelne Betrieb nicht leisten. Hierzu seien Erzeugergemein-
schaften und effiziente Vermarkter nötig. Dies sei eine große Herausforderung, aber machbar. So hätten die deutschen Fleischer ihren Absatz um 120 Prozent erhöht. Es gelte, die Angebote zu bündeln. Für Räpple ist die Genossenschaft eine zweckmäßige Organisationsform. Winzergenossenschaften gebe es in Baden seit 1881. Deren Gründung war für die Winzer ein Segen. Käufer konnten die einzelnen Betriebe nicht mehr gegenein-
ander ausspielen. Käufer und Verkäufer konnten auf Augenhöhe miteinander verhandeln. Auch die Schwarz-
wald-Milch sei ein gelungenes Beispiel. Die Uneinigkeit der Landwirte und der verschiedenen Zusammenschlüsse sei allerdings ein massives Problem. So gehe Marktmacht verloren, warnte der BLHV-Präsident.
Räpple analysierte den nationalen Markt. Hier sei eine Bündelung der Angebote dringend geboten. 60 Prozent der Weine würden etwa über Discounter verkauft. Die Discounter setzten die Preise und Vorgaben fest. Um wieder mehr auf Augenhöhe und damit auf eine bessere Verhandlungsbasis zu kommen, müsse den Discountern ein starker genossenschaftlicher Verbund gegenüber-
stehen. „Nutzen Sie den Vorteil, dass es in Südbaden stark sensibilisierte Verbraucher gibt“, riet Räpple den Landwirten. Marken und Regionalität würden vom Verbraucher geschätzt und nachgefragt. Verbraucher hätten großes Vertrauen in regionale Produkte.
Das Genossenschaftswesen, so Räpple, sei eine gute Vermarktungsorganisation für den Absatz im Inland und im Ausland. Allerdings müssten Entwicklungen in den Genossenschaftsstrukturen von den Mitgliedern aus-
gehen. Es müssten Mehrheiten in den Mitgliederver-
sammlungen für Entscheidungen zu Veränderungen zustande kommen. „Reden Sie miteinander statt über-
einander“, so Räpples Rat. Die Solidarität der Betriebe müsse gesteigert werden und das Selbstverständnis für den gemeinsamen Berufsstand wachsen. Räpples klare Aufforderung: „Das müssen Sie selbst in die Hand nehmen, denn der Staat wird es bald nicht mehr tun!“ |
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